Wenn Radio begeistert: Mein Lieblingsstück

January 31, 2015

Radio machen ist toll. Radio hören auch. Nicht immer, aber immer wieder. Dann, wenn einem Stücke ins Ohr fallen, die begeistern durch ihre Machart, ihre Intensität, ihre Wirkung.

 

zum Zeitzeichen vom 12.10.2014 – Zum Tod von König Artus von Sven Preger (WDR, 2014), Länge: 14:32 Min

 

Es beginnt skurril: Ein Wecker piepst penetrant. Ein Mann stöhnt, quält sich aus dem Bett und sagt: „Wer tote Könige finden will, muss ausgeruht sein.“ Und damit „bin ich drin“: In einer Reportage, die außergewöhnlich ist.

 

Eine freundliche, ältere Stimme fragt im feinsten British English „How are you, did you sleep well?“. Ganz klar: Hier steht eine etwas beleibte, grau gelockte Lady im Morgenrock vor mir, lächelt, eine altmodische Kanne Tee in den Händen, vor ihr ein antiker Herd, in einem Landhaus, irgendwo in England. Kopfkino.


Der Reporter entführt mich in den ersten Sekunden schlagartig in eine Welt, in die ich wohlwollend eintauche: Fried Eggs, Sausages, Hog‘s Pudding – Frühstück in einem B&B in Cornwall. Es hat was von Urlaub, von Abenteuer und verspricht Sagenhaftes. Englands wildromantische, raue Landschaft, kalt-nasser Wind, berstende Wellen an hohen kantigen Küstenfelsen – ich bin erstaunt, wie schnell die Bilder da sind, und mit ihnen der Zauber, die Seen voller Feen, der Nebel, kurz: die Welt von Avalon und Camelot.


Das Thema ist eines, das mich schon lange fasziniert, das mich beschäftigt, das ich einfach mag. Ich freue mich auf den Podcast, erwarte aber gleichzeitig nicht viel Neues.

 

Was mich fasziniert:

  • Die Form: Der Geschichts-Prof aus dem trockenen Studio-Off bleibt stumm, der erwartete Vortrag, die zeitliche Einordnung  und zeitgenössische Betrachtung … bleiben ebenfalls aus. Dafür werde ich auf eine Reise geschickt: Klar, eine Reise in die Vergangenheit, aber eben gleichzeitig auch auf eine Reise, die ich tatsächlich antreten könnte und genau die ist es, die mich wirklich „mitnimmt“.

  • Das szenische „Nebenbei“: Ich krieche mit dem Reporter durch kalte tropfende Höhlen direkt in der Küstenfelswand, friere mit ihm, schüttle die Nässe von mir ab, rieche die Steinwände und das Salzwasser. Dort treffe ich die regionalen Experten, echte Typen, klettere mit ihnen und nebenbei erzählen sie mir alles. So wird mir bewusst, dass Artus für die Engländer nicht lebende Legende, sondern „legendäres Leben“ ist. Und damit ein Lebensgefühl und ganz entscheidend: Heimatgefühl einer ganzen Region.

  • Die Montage: Die Szenen kommen als Dialoge daher, die pointiert aus O-Ton und Studio-Ton des Reporters zusammengesetzt sind. Der Stil ist schnell, die Sätze elliptisch, der Reporter launig. Langeweile kommt so nicht auf: die Reportage ist weder vorhersehbar, noch gibt es Platz für Floskeln.

  • Die Geräusche und die dezente Musik: Durch sie entsteht eine Kulisse und das Gesamtergebnis ist fast ein Hörspiel. Und das ist letztlich nur konsequent: Die Erzählung wird erzählt. Und ich, die Hörerin, reise und erlebe. Und vielleicht ist es eben genau das, was jeden – ob Fan oder nicht – an der Artus-Sage fasziniert: Die Vorstellung einmal selbst mit Artus und seinen Rittern zu reiten – und wenn es auch nur für ein paar Minuten ist.

 

 

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